Yoga

...ist ein jahrtausende altes System zur Harmonisierung von Körper, Seele und Geist.

Ich bin von Yoga und seinen Wirkungen so begeistert und überzeugt, dass ich im Januar 2010 meine Prüfung zur Yogalehrerin abgelegt habe. Derzeit arbeite ich an der Entwicklung von Kantha Yoga. Das ist Yoga mit der Stimme und für die Stimme.

Was ist Yoga?
Es gibt im Yoga eine besondere Meditationstechnik: neti neti. Das ist Sanskrit und heißt übersetzt: Nicht dies, nicht das. Die Idee von neti neti ist, über die Verneinung alles dessen, was man nicht ist, herauszufinden, was man ist. Und so möchte ich anfangen mit der Frage, was Yoga nicht ist:
Yoga ist kein Sport.
Ist kein Wettbewerb.
Ist Keine Religion.
Ist kein Heilsversprechen, nichts was man in irgendeiner Form glauben müsste.
Ist keine Medizin, keine Therapieform, keine Krankengymnastik.
Ist Keine Erfindung eines Einzelnen oder einer Gruppe.

Die Wortbedeutung von Yoga, auch dies ein Sanskritwort, bedeutet Joch. Schon hier spürt man die Verwandtschaft der Sprachen Deutsch und Sanskrit. Ein Joch - heute sieht man die ja nur noch im Museum - ist der große schwere Apparat, der zwei Ochsen vor einem Karren dazu zwingt, nebeneinander in eine Richtung zu gehen. Und so dient Yoga dazu, Seele und Geist auf eine Linie zu bringen. Die Körperübungen sind das Joch, welches über die Anregung der Nerven auf Seele und Geist mit großer Kraft einwirkt.
Die Körperübungen sind daher manchmal scheinbar absurd und ungewohnt. Ein Joch, das zwei Ochsen hält, ist aber genauso ungewohnt und doch dient es seit Tausenden von Jahren seinem Zweck und ist in seiner Form optimal und nicht veränderbar. Auch Yoga ist als System über tausend Jahre alt. Wir wissen nicht, wer erstmals ein Joch baute, ebensowenig wissen wir, wer erstmals einen Kopfstand machte. Die klassischen Stellungen mit ihren schönen Namen werden aber seit Urzeiten weitergegeben, gelehrt, gelernt und angewendet.
Wessen Ochsen so gehorsam sind, dass sie von selber nebeneinander gehen, braucht kein Joch. Ebensowenig braucht ein Mensch Yoga, dessen Geist und Seele in Harmonie sind und kein Leidensdruck besteht. Wenn aber Unstimmigkeiten seelischer Art da sind, wenn der Verstand Dinge denkt, die wir nicht denken wollen, wenn der Verstand die Seele nicht versteht und die Seele nicht den Verstand - dann kann man es mal mit Yoga versuchen. Dann erlebt man, dass das Joch Yoga Geist und Seele zur Harmonie führt. Wie Yoga die innere Zerrissenheit zusammenführt und Einheit herstellt.
Und wie ein Joch zwei Ochsen sofort zur Eintracht zwingt, so führt auch Yoga sofort zu dieser Harmonisierung von Seele und Geist. Schon nach der ersten Stunde. Vorausgesetzt, sie ist gut angeleitet und passt zu uns in Stil und Timing. Ein Joch muss ja auch zu den Ochsen passen, muss stabil genug und an den richtigen Stellen gepolstert sein, damit sie sich nicht verletzen und die Kraftübertragung gelingt. Yoga muss auch an den richtigen Stellen ansetzen. Die Stellungen müssen in geeigneter Reihenfolge stattfinden, es braucht Phasen der Forderung- und der Entspannung.
Und wie ein Bauer die Ochsen nicht mal mit mal ohne Joch vor den Karren spannt, weil er einfach weiß, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Ochsen, wenn sie das Joch nicht spüren, ihr Eigenleben beginnen und in verschiedenen Richtungen ziehen, so muss auch Yoga regelmäßig praktiziert werden. 2-3 Mal die Woche. Andernfalls driften Geist und Seele wieder auseinander und beginnen wieder ihr Eigenleben. Man kann sie zwar mit Yoga immer wieder einfangen, wie die Ochsen, aber das macht erheblich mehr Mühe als stete Führung durch das Joch.
Nun sind heute Worte wie Kontrolle, Joch, Seele, Geist nicht so in aller Munde. Der Zeitgeist hat ein anderes Vokabular. Aber der große Zustrom zum Yoga zeigt, dass das Bedürfnis nach Harmonisierung von Seele und Geist ungebrochen da ist. Wir sagen zwar heute Psyche statt Seele, weil das distanzierter und wissenschaftlicher klingt; wir sagen auch nicht Geist, sondern Verstand oder Ratio. Doch das ändert nichts an den Sachen. Heute wie in jeder Gesellschaft erleben Menschen Differenzen. Differenzen im eigenen Kopf und Körper, Differenzen zu Status, Rolle, Lebensumständen, zu Zeit, Ort und Lebensalter, zu Sitten, Gesetzen und Gebräuchen. Die Körperstellungen des Yoga wirken mit großer Wirksamkeit auf unser Gehirn und schaffen Übereinstimmung. Übereinstimmung von Psyche, Verstand, Körper und Lebensumständen. Man spürt das an guter Laune und Glücklichsein.



Yogaliteratur, die ich gut finde

Milena Moser:"Schlampenyoga oder Wo gehts hier zur Erleuchtung?"
Sehr witzig und genauso tiefgründig. Ein Buch zum Immer-Wieder-Lesen.

Elizabeth Gilbert: "Eat Pray Love - Eine Frau auf der Suche nach allem"
Im Indienkapitel ist das yogische Gedankengut gut und verständlich dargestellt. Macht Lust zum Meditieren. Das Buch ist viel besser als der Film.